Vom Allheilmittel zur (illegalen) Droge – die Geschichte des Cannabis

Vom Allheilmittel zur (illegalen) Droge – die Geschichte des Cannabis

Vom Allheilmittel zur (illegalen) Droge – die Geschichte des Cannabis 

Seile, Kleidung und Papier – Hanf ist nicht nur für die Cannabisblüte und ihre beruhigende, medizinische oder rauschartige Wirkung bekannt, die Kulturpflanze dient lange Zeit auch als Material für eine Reihe an Alltagsgegenständen. Die Anfänge der Nutzung von Cannabis reichen bis 6.000 Jahre zurück nach Asien. Nach und nach verbreitet sich die Pflanze aufgrund ihrer verschiedenen Vorteile um die ganze Welt. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wird die Pflanze, in ihrer ökonomischen und medizinischen Nutzung, mehr und mehr vom Markt verdrängt. Cannabis als Droge wird weltweit illegal.

China – die Wurzel der Nutz- und Heilpflanze Cannabis

Die historisch ersten Entdeckungen der Cannabis Pflanze werden auf ein Alter von 6.000 Jahren geschätzt. Funde von Textilien aus Hanf in alten Ruinen einer chinesischen Provinz deuten bereits auf die frühe Nutzung von Cannabis als Nutzpflanze hin. Doch auch die medizinische Nutzung der Pflanze findet ihre Anfänge bereits im alten China. Rund 2.700 v. Chr. wird es bereits als Heilmittel gegen verschiedenste Krankheiten verwendet. Der Kaiser Shen-Nung, auch bekannt als Vater der Landwirtschaft, empfiehlt Cannabis bei verschiedenen Erkrankungen. 

Über 4.000 Jahre später gilt Cannabis durch den Kräuterspezialisten Li Shih-Cheng mit mehr als 120 beschriebenen Anwendungsarten als ein wichtiger Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin. 

Ein Allheilmittel von Indien bis nach Europa

Rund 1.400 v. Chr. gelangt Cannabis dann nach Indien, wo es an erster Stelle für seine berauschende Wirkung bekannt ist. Als heilige Rauchdroge wird sie von den Hinduisten für rituelle Handlungen, zum Schutz vor Geistern als auch zum Meditieren genutzt. 

Doch auch die medizinische Cannabis Anwendung reicht als Mittel gegen verschiedenste Krankheiten bis zur Nutzung als Betäubungsmittel für kleinere Operationen. Bereits damals, sowie auch heute gilt es als Unterstützung zum Erwerb spezieller übernatürlicher Kräfte in tantrischen Ritualen und Yoga. In mehreren Schriften wird die Pflanze allgemein als „elixir vitae“ (Lebenselixier) bezeichnet – für mehr Energie, geistige Kräfte und Lebensfreude.

In Indien werden bereits drei verschiedene Zubereitungsarten der Pflanze unterteilt: Ganja (Mariuhana), Charras (das durch Reiben erzeugte Harz der Pflanze) und Bhang. Bhang, ein Synonym für Bruch und Abfall, bezeichnet die Cannabisblüten und -blätter welche in Mischung mit Tabak, Honig und Gewürzen in verschiedenen Lebensmitteln konsumiert wurde. 

Während der Verbreitung in Richtung des heutigen Europas wird die Cannabis Anwendung ausgeweitet. So nutzen die Menschen im alten Persien und Assyrischen Reich Cannabis beispielsweise als Salbe zur äußeren Anwendung und zur Abwendung böser Zauber. Auch das Reiternomadenvolk der Skythen verwendet Cannabisdämpfe und deren Wirkung zur Leitung der Verstorbenen ins Jenseits. 

Cannabis – doch nur Medizin?

Während Cannabis im alten Griechenland und Rom hauptsächlich für verschiedene medizinische Anwendungen genutzt wird, ist es im mittleren Osten zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert trotz eines Verbots auch zum Rauschkonsum weit verbreitet. Während des Mittelalters gibt es kaum Forschungen und somit auch keine Veröffentlichungen zu der Pflanze. Erst die Universalgelehrte Hildegard von Bingen nimmt die, laut ihr, verschieden wirkende Pflanze in ihre Schriften (ca. 1150-1160) auf. 

Während der Renaissance entstehen zahlreiche Kräuterbücher, welche die Pflanze und deren weitreichende medizinische Wirkung beschreiben. Die Forscher bringen Cannabis mit von ihren Reisen, bauen es selbst an und entdecken nach und nach Anwendungsgebiete wie Gelbsucht, Tumore und Verbrennungen. Auch hier wird Cannabis bereits als Beruhigungsmittel betitelt. 

Vom Verkaufsschlager zur illegalen Droge

Im Europa und der USA des 19. Jahrhunderts sind Cannabisextrakte in jeglicher Form und Anwendungsart auf dem Vormarsch. Zwischen 1842 und 1900 bilden Cannabispräparate die Hälfte der verkauften Medikamente ab. Als Tinktur, zum Trinken, zum Essen oder zum Rauchen – an einem Tag zur Schmerzlinderung genutzt, schenkt es an einem anderen Tag einen euphorischen Rausch. Damals gilt Cannabis als günstige Alternative zum teuren Tabak und wird auch Soldaten verabreicht, um das Durchhaltevermögen im Krieg zu verlängern. 

Im 20. Jahrhundert verdrängt die im Vergleich günstige Baumwolle und die Herstellung synthetischer Medizin den Cannabis und andere Hanfprodukte mehr und mehr vom Markt. Auf der Genfer Opiums Konferenz 1925 wird der Konsum und Anbau der Pflanze global verboten. Gerade die USA schafft strenge Gesetzte („Prohibitionen“) gegen den Konsum und Gebrauch der Pflanze. Diese richteten sich vor Allem gegen die arme, schwarze Bevölkerung, unter welcher der Cannabiskonsum weit verbreitet ist. Das Image von Cannabis verschlechtert sich akut und die Pflanze verschwindet fast vollständig aus dem alltäglichen Gebrauch. Erst die „Hippie“- und Aufstandskultur der 60er Jahre gibt Cannabis als Protestdroge wieder eine Plattform.

Heute – legal oder illegal?

Die Vorzüge der Cannabispflanze, gerade im medizinischen Kontext, haben sich heutzutage auch aufgrund weitreichender Forschungen wieder mehr und mehr verbreitet. Die Nutzung als Medikament ist in den meisten Ländern bereits legal, Cannabis Apotheken und Onlineshops bieten die verschriebenen Produkte an. Auch die Entkriminalisierung der Pflanze als Genussmittel nimmt zu. Viele Länder und Staaten haben Cannabis bereits vollständig legalisiert. Unter der neuen Ampelkoalition wird die Legalisierung auch in Deutschland immer wahrscheinlicher. Die Nutzung von Cannabis, gerade als medizinisches Produkt, ist somit stark im Wandel und nimmt weltweit zu.

 

https://www.planet-wissen.de/natur/pflanzen/hanf/index.html

https://www.youtube.com/watch?v=lyanXooSyTc

https://www.mwv-berlin.de/buecher-bestellen-2016/images/product_images/leseproben_images/9783954662913_Leseprobe.pdf

https://www.feel-ok.ch/de_CH/jugendliche/themen/cannabis/start/infos/infos/geschichte.cfm

https://www.rnd.de/politik/cannabis-legalisierung-in-welchen-laendern-ist-gras-legal-wie-viel-gramm-sind-erlaubt-VES2MUVKRRHHJDNSHPXVEJDSQE.html

 

 

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