Cannabis & Schlaf: Wie medizinisches Cannabis den Schlaf beeinflussen kann

Cannabis & Schlaf: Wie medizinisches Cannabis den Schlaf beeinflussen kann

Warum Schlaf so eng mit dem Nervensystem verbunden ist

Schlaf ist ein komplexer Vorgang, bei dem Hormone, Nervensystem und innere Rhythmen eng miteinander verzahnt sind. Stress, Schmerzen oder psychische Belastungen können diesen Prozess stören. Eine zentrale Rolle dabei spielt das Endocannabinoid-System (ECS). Es reguliert unter anderem Stimmung, Stress und Erholung – und beeinflusst damit indirekt auch, wie leicht wir in den Schlaf finden und wie erholsam er ausfällt.

THC & Schlaf: Was Studien dazu sagen

THC und Einschlafen

THC wird häufig mit einer verkürzten Einschlafzeit in Verbindung gebracht. Viele Patient:innen berichten, dass sich die Abendanspannung reduzieren kann oder sie weniger grübeln. Studien belegen vereinzelt Hinweise auf diesen Effekt, ohne jedoch eine pauschale Wirkung zu bestätigen.
Einige Patient:innen beschreiben zudem, dass sie subjektiv das Gefühl haben, mit Cannabis besser schlafen zu können – jedoch nicht konsistent und abhängig von Dosierung, Toleranz und persönlicher Empfindung.

Mit Cannabis besser schlafen, stimmt das?

Die Wirkung von THC auf Schlaf ist bekanntermaßen hochgradig individuell und komplex. Die Forschung zeigt, dass THC verschiedene Schlafphasen beeinflussen kann, wobei die Effekte stark variieren.
Einer der bemerkenswertesten Effekte ist die mögliche Reduktion der REM-Phase, jener Phase, in der Träume besonders intensiv sind. Während manche Konsumenten diese Reduktion als wohltuend empfinden, da die Nächte weniger unruhig erscheinen, berichten andere, dass eine verminderte REM-Phase ihr Gefühl der Tiefenerholung negativ beeinflusst.
Parallel dazu kann sich bei einigen Personen der Tiefschlaf, die primäre Phase der körperlichen Regeneration, verstärken. Diese ungleichen und teilweise gegensätzlichen Reaktionen unterstreichen die sehr persönliche Natur der THC-Wirkung auf den Schlaf.
In Studien wird außerdem diskutiert, wie REM-Schlaf unter Cannabis verändert werden kann. Erste Forschungsergebnisse zeigen, dass eine veränderte REM-Aktivität je nach Person positiv oder als störend wahrgenommen wird.

Es ist wichtig zu beachten, dass regelmäßige THC-Einnahmen zu weiteren Veränderungen der Schlafarchitektur, der Entwicklung einer Toleranz und potenzieller Tagesmüdigkeit führen können. Angesichts möglicher Nebenwirkungen sollte eine Anwendung zur Schlafregulierung immer ärztlich begleitet werden und nicht nach eigenem Empfinden konsumiert werden..

CBD & Schlaf: beruhigend oder aktivierend? 

CBD wirkt nicht berauschend und beeinflusst das ECS indirekt. Interessant ist, dass CBD je nach Dosierung einen eher beruhigenden oder leicht aktivierenden Effekt haben kann.

Die beruhigende Komponente

Einige Studien deuten darauf hin, dass CBD bei höheren Dosierungen die innere Anspannung senkt und so das Einschlafen erleichtern kann. Die Wirkung setzt meist sanfter ein als bei THC und wird häufig mit einem Gefühl innerer Ruhe beschrieben.

Aktivierung bei niedrigen Dosen

Weniger bekannt ist, dass CBD in geringeren Mengen eine wachmachende Wirkung haben kann. Es eignet sich deshalb nicht automatisch als Unterstützung für den Schlaf, sondern entfaltet je nach Dosierung und individueller Reaktion unterschiedliche Effekte.
In Erfahrungsberichten wird häufig beschrieben, dass CBD je nach individueller Reaktion sehr unterschiedlich wirken kann – diese CBD Schlaf Erfahrungen reichen von beruhigend bis aktivierend.

Schlafphasen und Cannabis – wie hängt das zusammen?

Schlaf besteht aus mehreren Phasen, die sich im Verlauf der Nacht abwechseln. Cannabis kann einzelne Phasen unterschiedlich beeinflussen.
Bei vielen Menschen verkürzt sich die Einschlafzeit, was vor allem THC zugeschrieben wird. Die Tiefschlafphase, die für körperliche Erholung entscheidend ist, kann bei manchen Personen intensiver werden. Gleichzeitig weisen Untersuchungen darauf hin, dass die REM-Phase bei einigen Menschen reduziert wird. Diese Veränderungen werden individuell sehr unterschiedlich wahrgenommen: Für manche entsteht ein Gefühl von tieferem Schlaf, während andere es als ungewohnt oder unangenehm empfinden.

Die Rolle der Terpene: Myrcen, Linalool & mehr

Terpene sind Aromastoffe der Cannabispflanze, die nicht nur den Geruch prägen, sondern auch potenzielle Wirkungen besitzen. Besonders interessant sind Myrcen und Linalool.
Myrcen wird häufig mit entspannenden Eigenschaften in Verbindung gebracht. Linalool, das auch in Lavendel vorkommt, ist für seine beruhigenden Effekte bekannt und wird seit Langem in der Aromatherapie erforscht. Ein weiteres Terpen, β-Caryophyllen, wird in Zusammenhang mit Stress- und Angstregulation untersucht.
Die Rolle der Terpene beim Schlaf wird intensiv weiter erforscht – bestätigt sind die Effekte jedoch noch nicht abschließend.

Wie Cannabis den Schlaf unterstützen kann

Viele Patient:innen berichten davon, dass Cannabis ihnen beim Einschlafen hilft oder die Schlafqualität verbessert. Die unterstützende Wirkung zeigt sich häufig dann, wenn Faktoren wie Stress, innere Unruhe oder Schmerzen eine wesentliche Rolle spielen. Cannabis kann in solchen Situationen dazu beitragen, die abendliche Anspannung zu reduzieren.
Wichtig ist jedoch: Cannabis ist kein klassisches Schlafmittel und wirkt nicht bei allen Menschen gleich. Die wissenschaftliche Datenlage ist vielversprechend, aber noch nicht vollständig.

Risiken und mögliche Nebenwirkungen

Cannabis kann Schlaf unterstützen, aber auch herausfordernd wirken. Einige Menschen berichten über Tagesmüdigkeit oder ein Gefühl innerer Schwere am Morgen. Auch eine verringerte REM-Phase oder Schlafunterbrechungen sind möglich.
Zudem kann es zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen. Bei regelmäßigem THC-Einsatz besteht das Risiko einer Toleranzentwicklung. Einige Personen erleben paradoxe Effekte wie erhöhte Unruhe oder nächtliches Wachwerden. Deshalb sollte der Einsatz immer mit medizinischem Fachpersonal abgesprochen werden.

Warum Cannabis nicht als klassisches Schlafmedikament gilt

Obwohl Studien interessante Ergebnisse zeigen, ist Cannabis in Deutschland nicht als Schlafmedikament zugelassen. Das liegt vor allem daran, dass die Datenlage noch nicht ausreicht und die Wirkung sehr individuell ist.
Cannabis kann in manchen Fällen unterstützend wirken, ersetzt jedoch keine Therapie einer diagnostizierten Cannabis Schlafstörung und sollte daher immer ärztlich begleitet werden.

Wann ein ärztlicher Rat wichtig ist

Ein Gespräch mit medizinischem Fachpersonal ist sinnvoll, wenn Schlafprobleme über längere Zeit bestehen, andere Medikamente eingenommen werden oder Unsicherheiten rund um die Wirkung auftreten. Auch bei Nebenwirkungen oder paradoxen Effekten sollte eine ärztliche Rücksprache erfolgen.



Quellen:

Endocannabinoid-System & Schlafregulation

https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6770351/

https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5877694

THC & Schlaf – Wirkung, REM-Reduktion, Einschlafzeit

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39612156/

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37401160/

Klinische Studien zu CBD & Schlaf

https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11063694/?utm_source=chatgpt.com

Zurück zum Blog